Gernlinden

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Gernlinden

mit Gernlinden Ost

Stand: 11.2017 (Einwohner mit Hauptwohnsitz)
Gernlinden: 4.951
Gernlinden-Ost: 145

Stand: 10.2005
Gernlinden: 4.329
Gernlinden-Ost: 147

Stand: 1939
Gernlinden: 768
Gernlinden-Ost: ???

 

Vor- und frühgeschichtliche Zeit

Erste Spuren: Der in Horden schweifende Mensch

Wenn man in heimatlichen Schriften liest, unsere Gegend sei uralter Kulturboden, seit Jahrtausenden besiedelt, so stimmt das zwar. Aber in der lose zusammenhaltenden Horden schweifende Mensch der Alt- und Mittelsteinzeit hat uns ganz wenige Beweise hinterlassen, im Gernlindner Bereich gar keine.

Mit Beginn der Jungsteinzeit, in unserer Gegend etwa ab 3000 v. Chr., hatte sich der Mensch allmählich die Kenntnis des Ackerbaues und der Viehhaltung angeeignet. Damit konnte er sesshaft werden. Er lebte hinfort in stark mutterrechtlich organisierten Gruppen von Blutsverwandten (Sippen). Da diese jetzt mehrere Jahre (6-20) am selben Ort bleiben konnten, eben so lange, bis die Ackerböden und die Viehweiden erschöpft und der Wildreichtum abgejagt waren, lohnte sich sie der Aufwand: Sie bauten feste Behausungen, legten Dörfer an. Wir finden solche Lebensweisen noch Heute in südlichen Ländern (shifting cultivation). Die Luftbildarchäologie hat in den letzten Jahren Zeugnisse dieser Epoche (Grundrisse von Holz-, Lehm-Häusern) auch in der Umgebung Gernlindens ausgemacht.

Untersucht: Das Gräberfeld von Gernlinden

Mit der nächsten Kulturstufe, der Bronzezeit, beginnen für Gernlinden bereits die untersuchten Funde: Am Nordland des Flughafens wurden auf gernlindner Boden frühbronzezeitliche (2000-1800 v. Chr.) Hockergräber freigelegt, Skelette von Toten, die mit stark angezogenen Armen und Beinen beigesetzt worden waren.

In den Jahren 1927 und 1930 brachten wissenschaftliche Grabungskampagnen im Bereich der eben errichteten Siedlungshäuser im Geviert Goethe-, Brucker-, Frieden- und Buschingstraße 185 Bestattungen aus der Urnenfelderzeit (ca. 1200 v. Chr.) zutage. Der damit erschlossene Friedhof fand große Beachtung und machten Gernlinden über die Fachwelt hinaus bekannt. Wichtige Fundstücke kann man im Prähistorischen Museum in München bewundern. Für die folgenden Zeiten werden die Siedlungsspuren naturgemäß immer dichter.

Untersucht wurde z.B. ein mächtiges Hügelgrab aus der Eisenzeit (ca. 700 v. Chr.), Löwenberg hieß diese noch zur Jahrhundertwende sichtbare Erhebung südl. von Gernlinden, westl. der Straße zum Tor III des Flugplatzes. In diesem Grabhügel war auch ein röm. Offizier bestattet worden.

Wo und wie die Menschen in den folgenden Jahrhunderten bis zur Gegenwart auf unserer Flur gelebt haben, darüber geben uns archäologische Luftbilder eine ungeheure Fülle von Hinweisen. Die Wissenschaft kann hier aber mangels Finanzen keine Untersuchungen vornehmen, sie muss leider untätig zusehen, wie die Zeugen unserer Vergangenheit durch rasch fortschreitende Bauprojekte unwiederbringlich zerstört werden.

Der Weiler bzw. die Einörde Gernlinden

Wenn auch ab dem Jahre 800 die schriftlichen Quellen in unserer Gegend immer reicher werden, so ist Gernlinden doch erst in einer Urkunde des Klosters Indersdorf 1436 und einer des Klosters Ettal erwähnt, wo es, die klösterlichen Besitzungen beschreibend, heißt: “Nach Esting ist aufgeführt Gern oder Gernlinden. Dort haben wir drei Höfe und sind öde und eine Viehweide…, ist jetzt Leibgeding des alten Estinger”. (Ettaler Uf. 22, Blatt 10/21). Auch dieser Weiler war offensichtlich von Pest und Agrarkriese des Spätmittelalters nicht verschont geblieben, das Dorf z.T. ausgestorben.

Die erste ausführliche Güterbeschreibung Gernlindens findet man ebenfalls in einer Ettaler Urkunde, als um das Jahr 1600 die klösterliche Ölonomie über ihre Liegenschaften ein neues Verzeichnis anlegte: Gernlinden wird eine Einöde genannt. Ein gewisser Veit Lindinger ist der Grundholde (Pächter). Behausung und Stadel waren ineinandergemauert, eine offensichtlich neue Anlage. Badstube (Bad und Sauna), Kuhstadel, Dungstätte und ein Schöpfbrunnen gehören zum Hof. Dieser war kirchlich der Pfarrei Maisach zugeordnet, dorthin wurde der Kirchenzehnte bezahlt. Für einfachere weltliche Angelegenheiten war der Hofmarksrichter in Maisach zuständig. Die übergeordnete Verwaltung und Rechtsprechung oblag dem herzoglichen (bzw. später kurfürstlichen) Kastner in Dachau. Ab 1693 hat die aus Frauenberg stammende Familie Heinzinger die Nutznissang der Hofsteile. Mit den Staatsreformen im Gefolge des Zeitalters Napoleons zwischen 1803 und 1848, geht Gernlinden in den Privatbesitz der Heinzingers über. Franz Xaver Heinzinger, der letzte Besitzer des großen Hofes, heiratete 1898 die Köchin des Estinger Benefizianten, um 10 Jahre später sein Vatergut zu verkaufen und als Pensionär in der Stadt vermeintlich besser zu leben. 1903 hatte er noch südlich der Bahnlinie eine romantische Ausflugsgaststätte erbaut. Dieses sogenannte Waldschlößl (Bahhofrestauration) zerstörte der spätere Besitzer, die Brauerei Maisach, 1979, und errichtete den jetzigen Gebäudekomplex Gasthaus Sedlmayr, heute wäre das Waldschlößl wohl ein Besuchermagnet!

Die Siedlung Gernlinden

Auf dem Gelände im weiteren Kern der heutigen Ortschaft stand im 19. Jahrhundert und bis 1916 ein Mischwald vor allem aus Eichen, Kiefern, Linden und Hainbuchen, war stark verbuscht und von Weidelichtungen durchgezogen. Der neue Besitzer, Dr. Hans Graf v. Toerring-Jettenbach wollte darin ab 1916 eine Waldvillenkolonie errichten. Die Straßenführung sollte nicht schematisch geplant sein, sondern dei schönen Baumgruppen berücksichtigen und nach ihnen angelegt werden. Zwar wurde 1916 mit dem Straßenbau noch begonnen, aber 1919 überließ der Graf die 100 Tagwerk Baugrund über die Bayer. Landes- und Siedlungsbank der Bayer. Landessiedlung München zum Bau einer Kriegersiedlung. Diese Gesellschaft änderte die Bebauungspläne gründlich um, und in kürzester Zeit sollte eine vorstädtische Reihensiedlung mit großen Nutzgärten entstehen.

Von 1919 bis 1929 wuchsen so im Geviert Graf-Toerring-, Frühling-, Berlepsch- und Brucker Straße 60 Häuser. Nach weiteren Baumaßnahmen zählte man in Gernlinden 1939 768 Einwohner.
Die Siedlung hatte für damalige Verhältnisse ein ungemein dynamisches Wachstum gezeigt, das damals das gesellschaftliche Leben und die soziale Harmonie nicht verörden ließ. Im Gegenteil, der Zusammenhalt der Siedler muss ein gernlindner Spezifikum gewesen sein, welches auch die umliegenden Ortschaften, speziell Maisach, nicht mehr übersehen konnten.

Kriegs- und Nachkriegszeit brachten die Erweiterung des Ortes auf das heutige Maß, ab 1954 verlagerte sich die Bautätigkeit auf das Gelände der Bayer. Landessiedlung nördlich der Bahn.
Diese hatte 1954 das Gut Gernlinden gekauft und in der Folgezeit in 7 Bauernhöfe aufgeteilt. Gegenwärtig geht die Entwicklung in zwei Richtungen: Im Norden wird bereits das Gelände zwischen der ehem. Gutsanlage von 1938 und dem Waldsportplatz erschlossen, im Süden findet eine anscheinend unaufhaltsame innere Verdichtung und deutliche Umwandlung, weg von der Gartensiedlung, statt.

@Quelle: St. Konrad, Festschrift der Pfarrgemeinde 1984